Alte Automarken – NSU, der Prinz auf Reifen

Mit einer für Spannung sorgenden Publizität wurde im Sommer 1957 ein neuer Kleinwagen von NSU angekündigt. NSU - eine willkürliche Abkürzung für Neckarsulm, wo sich dieses Werk befand - hatte bereits von 1906 bis 1928 Autos hergestellt, sich aber danach ausschließlich auf die Fabrikation von Motorrädern konzentriert. 1929 war das Autowerk in Heilbronn an Fiat verkauft worden, und das italienische Unternehmen benützte es fortan als Montagewerk.

NSU Prinz 1958
NSU Prinz 1958, Quelle: Public Domain

Der neue Kleinwagen von NSU erhielt die Modellbezeichnung Prinz, und sein Motor wurde bereits im August 1957 «enthüllt», während die Gesamtpräsentation für die Frankfurter Automobilausstellung im Herbst geplant war. Der Prinz-Motor verriet die Motorraderfahrung von NSU, handelte es sich doch um ein luftgekühltes 2-Zylinder-Viertaktaggregat. Es wurde schrägstehend quer im Heck eingebaut. Seine Besonderheit war die durch Schubstangen gesteuerte obenliegende Nockenwelle. Die Leistung des 600-cm3-Motors wurde mit vergleichsweise bescheidenen 20 PS angegeben, was auf gute Elastizität und lange Lebensdauer schließen ließ.

Der im September vorgestellte Prinz war wohl ein viersitziger Kleinwagen, doch war er deutlich eine Klasse größer als jene zahlreichen deutschen Rollermobile, die mit mehr oder (meist) weniger Erfolg Karriere zu machen versucht hatten. Mit dem luftgekühlten Heckmotor lehnte er sich zwar an deren Konzept, zugleich aber auch an den überlegenen Marktleader VW an. Diesem hatte er die moderne Pontonform voraus, die jedoch mit den zur Heckscheibe gewölbten hinteren Seitenfenstern ebenfalls originelle Unverwechselbarkeit bot. Unter dem Bugdeckel befanden sich Reserverad und Benzintank und natürlich ein Gepäckraum. Die Türen waren mit einem Schiebefenster bestückt.

Diese niedliche Karosserie war selbsttragend konstruiert. Der Prinz besaß zudem Einzelradaufhängung vorn und hinten: vorn mit Trapez-Dreieck-Querlenkern und Schraubenfedern, hinten mit Pendelachse, weitwinkligen Dreieck-Querlenkern und Schraubenfedern. Das mit dem Motor zusammengebaute 4-Gang-Getriebe wies Klauenkupplungen auf und war nicht synchronisiert. Dennoch lauteten erste Fahrberichte über den NSU Prinz sehr positiv, wobei vor allem die Straßenlage gelobt wurde. Mit der eigentlichen Serienherstellung wurde im März 1958 begonnen.

Reifen, Sommerreifen, Winterreifen, Offroadreifen immer günstig!

Sport-Prinz

Im Herbst 1958 überraschten die NSU-Werke mit einer Coupeversion des Prinz. Sie wurde Sport-Prinz genannt, und ihre Linien stammten von Bertone, bei dem diese Aufbauten anfangs auch hergestellt wurden. Der italienische Karosseriedesigner hatte ein echtes kleines Meisterwerk geschaffen: Die elegante saubere Linie mit Fließheck, den vorkragenden Kotflügelabschlüssen und großzügigen Fensterflächen hielt hinsichtlich Vollkommenheit einem Vergleich mit dem ebenfalls bei Bertone geschaffenen Alfa Romeo Giu-lietta Sprint durchaus stand! Der Sport-Prinz bot auf der Hintersitzbank nur noch zwei Kindern Platz, dafür standen mit ihm gleich 50 Prozent mehr Motorleistung zur Verfügung: 30 PS bei 5700/min. Für Wettbewerbe war auch ein Supersport-Prinz mit 35 PS vorgesehen. Diese Version kam zwar nicht ins reguläre Angebot - obgleich man von einem möglichen Leistungspotential des Prinz-Motors von 40 bis 45 PS sprach -, dafür war der viersitzige Prinz ab Genfer Salon 1959 auf Wunsch ebenfalls mit der 30-PS-Maschine erhältlich. Ein «AR»-Test brachte für den Prinz 30 PS eine Spitze von 117 km/h und 42,3 sec Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h. Der Testverbrauch belief sich auf 6,2 Liter Super, bei Minimalverbrauch von 4,1 Liter. Der Prinz 20 PS hingegen verbrauchte 6,4 Liter Normalbenzin (minimal 4,4 Liter) und kam auf 109 km/h bzw. 45,7 sec.

Im Herbst 1959 kamen zu dem einfacher ausgestatteten Prinz I die Ausführungen Prinz II (mit mehr Luxus und Synchrongetriebe) und Prinz 30 (wie Prinz II, jedoch mit 30 PS). Von den Prinz II und 30 gab es zudem eine Exportausführung (E) mit Lüftungsdrehflügeln in den Vordertüren, unter den Scheinwerfern statt auf den Kotflügeln angebrachten Blinkern, Liegesitzen und anderen Verbesserungen. Im Herbst 1960 kam dann der Prinz III hinzu; er löste den Prinz IIE ab und nutzte die neue deutsche Versicherungsklassen-Einteilung mit einer auf 23 PS gesteigerten Leistung, doch gab es ihn auch mit dem 30-PS-Motor. Darüber hinaus bot der Prinz III eine weichere, dafür mit Stabilisator verbundene Vorderradfederung, und in seine hinteren Schraubenfedern wurden Luftkissen eingebaut. Auch die Sitze und die Heizung wurden verbessert.

Inzwischen hatte der rührige NSU-Generaldirektor Dr. von Heydekampf nicht nur Lizenzverträge mit Autoar in Argentinien und Ramses in Ägypten abgeschlossen, sondern auch dem Drehkolbenmotor von Felix Wankel mit den Weg bereitet. Im Januar 1960 fand im Deutschen Museum in München eine dem NSU-Wankel-Motor gewidmete Fachtagung statt, und bald sollte NSU das erste Serienauto mit Wankel-Motor herausbringen ...

Alles über Reifen, Winterreifen, Sommerreifen, Ganzjahresreifen, Offroadreifen und Motorradreifen erfahren Sie auf meiner Webseite.

Eingereicht am 11. 12. 2007 von Jessi Kiefer, reifenguru[at]gmx.de

< zur Linkliste zurück