Warum ich keine Emails mag
Aber ich schreibe auch so kaum noch E-Mails. So richtig konnte ich mich damit nie anfreunden, und jetzt ist alles ein wenig eingeschlafen. Ich finde diese E-Mailerei eigentlich nur noch schlimm. Das fängt schon damit an, daß man eine schreibt, nur mal kurz pullern geht, und schon ist die Antwort da, und man ist wieder im Zugzwang. Das geht weiter damit, daß man anstelle einer Antwort seine eigenen E-Mails verstümmelt und lediglich mit Bemerkungen versehen zurück kriegt, und wenn man eine E-Mail kriegt, die annähernd Brieflänge hat, beim Lesen durcheinander gerät, weil der Bildschirm immer nur einen Ausschnitt zeigt. Beim Antworten wird es noch schlimmer, um da die Übersicht zu behalten, muß man die Mail sowieso ausdrucken, ansonsten schickt man eine nach der anderen, solange, bis alle Fragen beantwortet sind. Mit dem Schicken hat man die nächsten Probleme, wenn die Mail-Boxen der Empfänger voll sind, oder wenn die Empfänger bloß alle Wochen mal hinein sehen und lediglich die letzten E-Mails beantworten. Das Niveau der Mails ist manchmal doch recht kindisch (hai, hi, ha, ho, jippiiiii, smeili, smeili, smeili, :;-?/;-)§-), und nachdem man sich minutenlang damit herumgeplagt hat, Dutzende Anhänge aufzukriegen, kommen arschwackelnde Enten und fürchterliche Witze aus dem Frühstücksfernsehen zum Vorschein. Das Schreiben ist auch so’n Ding, weil man sich, jedenfalls geht mir das so, von der Technik hetzen läßt, man zu flüchtigen Äußerungen verleitet wird, die man bei gründlicher Überlegung unterlassen hätte, nur weil der Text fertig werden soll. Einen Brief läßt man liegen und geht erst einmal einkaufen, aber den PC läßt man nicht den ganzen Tag laufen. Also - alles ziemlich oberflächlich, wie so vieles. Ich habe inzwischen ungefähr 20 E-Mails von Nadine (der Tochter von Rolf) und mir gesammelt, gedruckt, jedenfalls so weit sie sich drucken ließen (siehe arschwackelnde Ente), weil sich das Hin und Her zunächst ganz gut anließ. Ich hatte mir gedacht, die Mails ggf. für eine Veröffentlichung zusammen zu stellen, weil sie mit einer ziemlichen Zäsur begonnen hatten (Rolfs Selbstmord) und weil die Nadine anfangs recht ordentliche Gedanken zu "Papier" brachte. Inzwischen habe ich das Projekt aufgegeben, das Ganze ist in der Schriftform einfach nicht machbar, siehe :-):;/() usw. Technische Hudelei gab’s bei uns auch immerzu, z.B. kamen die E-Mails eine Zeit lang als Bandwürmer, die Katrin erst mühsam lesbar gemacht hat, durchsetzt mit Hieroglyphen, ungefähr 2 Meter auf den halben Satz. Ich hätt’ die Dinger alle weggeschmissen.
Die Mailerei ist schon nicht schlecht, mein ich, für Geschäfte und ähnliches, für Partytypen, meinetwegen auch für Geizhälse, aber für die Korrespondenz eines am Buch geschulten Menschen, auch der Form wegen, ist sie eine Zumutung. Katrin zum Beispiel schreibt jetzt immer alles klein, sie findet das "cool", aber wenn ein offizielles Schreiben fällig ist, muß entweder ich ran, oder ich muß wenigstens dabei sitzen und korrigieren. Pisa läßt grüßen.
460w 3000c
Bernd Ingo Friedrich, November 2007